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Agentic Weekly #007: Karpathy zu Anthropic, Stainless im Konzern, Cursor schlägt mit Composer 2.5 zurück

Anthropic baut die Plattform breiter aus — Karpathy ins Pretraining-Team, Stainless gekauft, in London Sandboxes und MCP-Tunnel — und Cursor unterbietet die Premium-Preise mit Composer 2.5 um den Faktor 60.

Agentic Weekly #007: Karpathy zu Anthropic, Stainless im Konzern, Cursor schlägt mit Composer 2.5 zurück

Die große Nachricht der Woche

Anthropic verbreitert die Plattform — und Karpathy passt ins Bild

Eine Woche nach Code with Claude SF und dem SpaceX-Compute-Deal hat Anthropic den Druck nicht aus dem Pedal genommen. Statt eines weiteren Headline-Releases stapeln sich diese Woche fünf Bausteine, die in Summe ein Bild ergeben: Anthropic baut sich vom Modell-Anbieter zur Enterprise-Plattform um — und holt dafür Personal, Tooling, Sicherheits-Layer und Vertrieb gleichzeitig ins Haus.

Karpathy wechselt ins Pretraining-Team — die personelle Ansage.

Am 19. Mai kündigt Andrej Karpathy an, dass er zu Anthropic gewechselt ist und dort unter Nick Joseph ein Team aufbaut, das Claude einsetzt, um die Pretraining-Forschung zu beschleunigen. Anthropic hat das gegenüber TechCrunch bestätigt. Karpathy auf X:

„I think the next few years at the frontier of LLMs will be especially formative. I am very excited to join the team here and get back to R&D.“

Das Signal sitzt tiefer als die Personalie. Karpathy hat OpenAI 2017 für Tesla verlassen, 2023 zurückgekehrt, 2024 wieder weg, um mit Eureka Labs in die KI-gestützte Bildung zu gehen — und entscheidet sich jetzt für Anthropic, ausdrücklich für Pretraining, ausdrücklich nicht für OpenAI. In einer Branche, in der der Konsens „Pretraining ist gesättigt, das nächste Skalierungsregime ist Inference und Posttraining“ lautet, ist das eine bemerkenswerte Gegenwette.

Stainless geht ins Haus — die Tooling-Ansage.

Am 18. Mai kauft Anthropic den Dev-Tools-Spezialisten Stainless (gegründet von Ex-Stripe-Engineer Alex Rattray, finanziert von Sequoia und Andreessen Horowitz). Stainless generiert aus OpenAPI-Specs SDKs in TypeScript, Python, Go, Java sowie CLIs und MCP-Server — und ist die Pipeline, auf der nicht nur Anthropics offizielle SDKs laufen, sondern auch die von OpenAI, Google und Cloudflare. Anthropic im Blog:

„Stainless has powered the generation of every official Anthropic SDK since the earliest days of our API.“

Anthropic stellt die gehosteten Stainless-Produkte ein; bestehende Kunden behalten ihre generierten SDKs. Deal-Größe wird offiziell nicht genannt; The Information hatte zuvor von „mehr als 300 Mio. US-Dollar“ berichtet. Anthropic kauft sich die SDK-Generator-Schicht, auf der seine direkten Wettbewerber sitzen.

Self-hosted Sandboxes und MCP-Tunnel — die Enterprise-Ansage.

Auf Code with Claude London (19.–21. Mai) stellt Anthropic zwei Features für Claude Managed Agents vor, die die Bedenken adressieren, an denen Enterprise-Deals bisher hängen geblieben sind.

Self-hosted Sandboxes (public beta) erlauben, dass die Tool-Ausführung in der eigenen Infrastruktur des Kunden läuft oder bei Managed-Sandbox-Providern wie Cloudflare, Daytona, Modal oder Vercel — während Orchestrierung, Kontext und Recovery weiter auf Anthropics Seite bleiben. MCP Tunnels (research preview) lassen Agents private MCP-Server in internen Netzen erreichen, ohne dass diese Server ans öffentliche Internet exponiert werden müssen: ein leichtgewichtiges Gateway, eine ausgehende Verbindung, keine eingehenden Firewall-Regeln.

KPMG, Legal und Fractional AI — die Vertriebs-Ansage.

Am 19. Mai kündigen KPMG und Anthropic eine globale Allianz an: Claude wird über alle 276.000+ KPMG-Mitarbeiter ausgerollt und in das Digital Gateway (auf Microsoft Azure) integriert. Schwerpunkt erst Tax und Private Equity. KPMGs neues PE-Produkt KPMG Blaze bindet — und das ist die für Newsletter-Leser interessante Stelle — Claude Code direkt ein, um die IT-Modernisierung der Portfolio-Unternehmen zu beschleunigen. Bill Thomas (Global Chairman & CEO, KPMG International) flankiert das mit Standard-Vokabular zu Trust und Governance, Daniela Amodei (Co-founder & President, Anthropic) liefert die Pressezeile:

„They’re rolling Claude out to 276,000 people across the business, and using it for client work in tax and private equity.“

Parallel kommt Claude for Legal — über 20 neue MCP-Connectoren in Westlaw, iManage, Ironclad, Harvey, Everlaw, Thomson Reuters und Co., plus 12 praxisbereichsspezifische Plugins (M&A-Diligence, Closing-Checklists, Litigation, Privacy, AI Governance u.a.). Und am 21. Mai macht die neue, von Anthropic, Blackstone und Hellman & Friedman gestützte Consulting-Plattform ihren ersten Zukauf: Fractional AI wechselt aus einer 11-monatigen OpenAI-Partnerschaft als operativer Kern in die Anthropic-Allianz.

Warum das relevant ist:

Einzeln keine Sensation, in Summe schon: Karpathy ist die Setzung, dass das Modell-Layer noch nicht ausgereizt ist. Stainless ist die Setzung, dass die SDK- und Connectoren-Schicht wichtiger wird. Sandboxes und MCP-Tunnel sind die Antwort auf die ungeklärten Sicherheits-Fragen. KPMG und Fractional sind die Vertriebs- und Service-Maschine. Wer 2026 ernsthaft Agentic-Plattformen evaluiert, sieht in Anthropic nicht mehr „nur“ den Anbieter von Claude Code und dem besten Frontier-Modell, sondern Vollstack-Infrastruktur vom Pretraining bis zur Connectoren-Schicht — in bemerkenswertem Tempo.

Quellen:


Claude Code: Die Highlights der Woche

Sieben Releases zwischen 15. und 22. Mai: v2.1.143 bis v2.1.149. Schwerpunkt: Plugin-Disziplin, Background-Sessions, ein neuer /code-review-Command, /usage mit Kategorien-Breakdown.

Für alle, die Claude Code täglich nutzen

/resume für Background-Sessions (v2.1.144, 19. Mai) — Sessions, die via claude --bg oder Agent View losgeschickt wurden, tauchen jetzt im /resume-Picker neben den interaktiven auf, markiert mit bg. Plus: Background-Subagent-Notifications zeigen die verstrichene Dauer („Agent completed · 3h 2m 5s“).

/model wechselt jetzt nur die aktuelle Session (v2.1.144) — Wer dauerhaft umschalten will, drückt im Picker d. Liest sich klein, ist aber genau der Workflow, den Power-User schon länger wollten.

/code-review ersetzt /simplify (v2.1.146 → v2.1.147, 21. Mai) — Mit optionalem Effort-Level (/code-review high); --comment postet Findings direkt als inline GitHub-PR-Kommentare. Anthropic positioniert den Skill damit auf demselben Boden wie das eigene Code-Review-Produkt für Teams aus #006.

Pinned Background Sessions (Ctrl+T im claude agents-View, v2.1.147) — Markierte Sessions bleiben im Idle leben, werden bei Updates in-place neu gestartet und erst nach den unpinned Sessions unter Memory-Pressure geräumt.

/usage zeigt jetzt, wer das Limit treibt (v2.1.149, 22. Mai) — Per-Kategorie-Breakdown nach Skills, Subagents, Plugins und Per-MCP-Server-Kosten. Die direkte Antwort auf die Frage „warum bin ich schon wieder bei 80 %?“ — und das Telemetrie-Element, das in der Token-Spend-Diskussion aus #005 noch gefehlt hat.

/diff blättert, Markdown-Output rendert Checkboxes (v2.1.149) — Lange Diffs lassen sich endlich scrollen (Arrow-Keys, j/k, PgUp/PgDn, Space, Home/End). Plus: GFM-Task-List-Checkboxes (- [ ]/- [x]) im Output statt Plain-Bullets.

Für Multi-Agent- und MCP-Workflows

claude agents --json (v2.1.145, 19. Mai) — Live-Sessions als JSON für Skripte, tmux-resurrect, Status-Bars. Plus: agent_id und parent_agent_id für saubere Telemetrie über verschachtelte Subagent-Bäume.

/plugin Discover/Browse mit vollem Inventar (v2.1.145) — Commands, Agents, Skills, Hooks und MCP-/LSP-Server eines Plugins sind sichtbar, bevor man installiert. Plus: projektierte Per-Turn- und Per-Invocation-Token-Kosten im Marketplace-Browse (v2.1.143).

Plugin Dependency Enforcement (v2.1.143, 15. Mai) — claude plugin disable verweigert sich, wenn ein anderes aktives Plugin von dem Target abhängt; claude plugin enable zieht transitive Dependencies mit. Das schließt eine Klasse von „warum geht das jetzt nicht mehr“-Bugs.

Für CI/CD, Plattform und Sicherheit

PowerShell-Tool default-on auf Windows (v2.1.143) — Für Bedrock-, Vertex- und Foundry-Nutzer; Opt-out via CLAUDE_CODE_USE_POWERSHELL_TOOL=0. Plus: das Tool läuft jetzt mit -ExecutionPolicy Bypass (Opt-out separat). Saubere Lösung für Windows-CI, die bisher an Execution-Policies hängenblieb.

Status-Line JSON enthält GitHub-Repo und PR-Info (v2.1.145) — Wer eigene Status-Lines baut, bekommt PR-Kontext aus Claude Code ohne Zusatz-Tooling.

Worktree-Sandbox-Härtung + Enterprise-MCP (v2.1.149) — Die Sandbox-Write-Allowlist in Git-Worktrees deckt jetzt nur das gemeinsame .git-Verzeichnis ab; hooks/ und config sind explizit denied. Plus: neue Managed Setting allowAllClaudeAiMcps lädt claude.ai-Cloud-MCP-Connectors neben managed-mcp.json.

Quellen:


Agentic Coding: Composer 2.5 entzaubert die Premium-Preise, DeepSeek will den Harness

Cursor Composer 2.5 (18. Mai) — Das Story-Item der Konkurrenz: Cursors hauseigenes Coding-Modell, auf Moonshots Kimi K2.5 als Open-Source-Checkpoint trainiert, landet im Artificial Analysis Coding Agent Index auf Platz 3 mit Score 62 — hinter Opus 4.7 (max) in Claude Code (66) und GPT-5.5 (xhigh reasoning) in Codex (65). Die Pointe ist nicht der Score, sondern der Preis: 0,07 $ pro Task im Standard-Tier und 0,44 $ im Fast-Tier, 10- bis 60-fach unter den Pro-Task-Kosten von Opus 4.7 (max) und GPT-5.5 (xhigh) — bei vergleichbarer Aufgaben-Performance. Cursor positioniert sich damit explizit als „Frontier-Performance zum Bruchteil des Preises“ — eine direkte Antwort auf das Token-Spend-Problem aus Pragmatic Engineer (#005). Erste Woche mit verdoppeltem Usage-Limit.

Cursor in Jira (19. Mai) — @Cursor in jedem Jira-Comment startet einen Cloud-Agenten; Teams können Work-Items direkt zuweisen. Nach Teams (#006) ist Jira die zweite Enterprise-Kollaborationsschicht, in der Cursor nativ sitzt. Plus: Cursor Automations wurden am 20. Mai verbessert.

OpenAI Codex Appshots, Goal Mode GA (19./22. Mai) — Codex bekommt Appshots auf macOS: beide Cmd-Tasten gleichzeitig, und das aktive App-Fenster geht als Screenshot plus Text an Codex. Goal Mode verlässt das experimentelle Stadium und ist jetzt regulär in App, IDE-Extension und CLI verfügbar — direkter Wettbewerber zu Claude Codes /goal. Plus: Remote Computer Use mit Mac-Lock-Bridge und Codex-Mobile-Approval-Flow.

GPT-5.3-Codex wird Default in GitHub Copilot Business/Enterprise (17. Mai) — Long-term Support bis Februar 2027 zugesichert. Microsoft macht damit Codex zum Standard-Modell in den Org-Plänen, parallel zur internen Umstellung von Claude Code auf Copilot CLI aus #006.

DeepSeek baut „Deepseek Code“ (20. Mai) — Deli Chen kündigt auf X die Bildung eines „Harness“-Teams in Beijing an. Job-Ads suchen Product Manager und Engineer mit „deep experience with Claude Code, Cursor, Codex and GitHub Copilot“. DeepSeeks eigene Begriffswahl im Posting: „Harness = tool use, planning, memory. Model + Harness = AI agent.“ V4 Flash kostet 0,14 $ pro Million Input-Tokens — strukturell preisaggressiv.

Quellen:


Trend der Woche

Der Harness wird zum Schlachtfeld — und der Preis wird zur Waffe

Drei Bewegungen dieser Woche zeigen, wo die nächste Schlacht im Agentic-Coding-Markt geschlagen wird — und sie hat überraschend wenig mit Modell-Qualität zu tun.

Cursor baut ein eigenes Modell auf einem Open-Source-Checkpoint und bepreist es deutlich unter den Frontier-Optionen. Die These: Wenn der Harness gut genug ist, reicht ein „good enough“-Modell für den Großteil der täglichen Coding-Workloads — und der Preisunterschied frisst die Performance-Differenz im realen Workflow auf.

DeepSeek geht den Schritt explizit weiter und nutzt das Wort „Harness“ in der eigenen Stellenausschreibung. Das ist nicht zufällig — DeepSeek baut nicht „ein weiteres Modell mit IDE-Wrapper“, sondern eine eigene Tooling-, Planning- und Memory-Schicht, geführt von einer Mannschaft, die explizit Claude-Code-, Cursor- und Codex-Erfahrung mitbringen soll, die DeepSeek selbst noch nicht hat.

Anthropic stellt sich mit dem Karpathy-Hire dagegen — ein eingebautes Statement zur Frage, wo in den nächsten zwölf Monaten die Substanz entsteht.

Konsequenz für Teams, die jetzt Agentic-Coding-Stacks evaluieren: Die alte Frage „welches Modell ist das beste?“ bekommt eine zweite Achse. Composer 2.5 sagt: Bei dieser Aufgabenklasse reicht „good enough“ zum Bruchteil des Preises. Opus 4.7 (max) sagt: Wenn du die letzten paar Indexpunkte brauchst, kostet es eben das Vielfache. Wer Token-Budgets hat, die diese Woche ihren eigenen Sprint sprengen würden, muss diese Achse explizit beantworten.

Die Burg, die Anthropic baut (Stainless, Tunnel, Connectoren, Vertrieb), und die Preisbrecher, die Cursor und DeepSeek ansetzen, sind zwei Strategien für denselben Engpass — und beide werden in den nächsten Monaten gemessen.

Quellen:


Kurz notiert

  • Microsoft Claude-Code-Lizenzen werden bis 30. Juni eingezogen — Nach dem Verge-Bericht aus #006 ist die Frist jetzt offiziell: Microsoft-Engineers müssen bis Ende des Fiskaljahrs auf GitHub Copilot CLI umsteigen. Rajesh Jha nennt intern „product integration und finanzielle Erwägungen“ als Begründung. The Decoder
  • Fortune und MIT Tech Review über Code with Claude London (21. Mai) — Anthropics erste eigene Entwicklerkonferenz in Europa, überbucht, riverside venue im Regen. Tenor beider Berichte: AI-Coding ist im Mainstream angekommen — inklusive der Anxieties. Fortune · MIT Tech Review
  • Anthropic Vulnerability Disclosure Dashboard live (22. Mai) — Tagaktueller Stand: 1.596 Findings disclosed, 1.451 von Maintainern anerkannt, 97 upstream gepatcht. Mythos Preview als Discovery-Engine, dokumentierter Beleg-Case CVE-2026-2796 (Claude schreibt nicht nur Detection, sondern Exploit-Code). Damit bekommt die Glasswing-/Mythos-Linie aus #001/#003 ihren öffentlichen Zähler. red.anthropic.com/2026/cvd

Das war Agentic Weekly #007.

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Alle Ausgaben · Redaktion: Martin Gross

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