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Agentic Weekly #029: Zugriff auf 6.000 Integrationen, nur nicht aus Europa
Anthropics neuer Agent Duet überwacht Inbox und Buchhaltung, bevor man fragt, zuerst nur für US-Kunden, während ein Hacker seine Agenten für geschätzt 50 Dollar pro Treffer gegen mehr als 1.200 Websites schickt und Anthropics neuer Beteiligungsfonds Musk zu einem Gegenversprechen veranlasst.

Die große Nachricht der Woche
Zugriff auf 6.000 Integrationen, nur nicht aus Europa
Jeden Morgen meldet sich ein neuer Anthropic-Dienst von selbst, ohne dass ihn jemand gerufen hat: eine kurze Zusammenfassung dessen, was über Nacht in Gmail, Slack oder der Buchhaltung wichtig wurde. Am 21. Oktober stellte Anthropic Claude Duet vor, einen proaktiven Agenten auf Basis von Opus 5.5, der verbundene Apps alle paar Stunden selbst durchsieht, meldet, was Aufmerksamkeit braucht, und einfache wie größere Aufgaben eigenständig erledigt, vom Sortieren der Inbox bis zum Bauen einer kleinen Webanwendung. Zum Verbinden stehen mehr als 6.000 Connectors und Plugins bereit, darunter Gmail, Slack, QuickBooks, Stripe und Shopify.
Für die größeren Schritte bleibt ein Gatter. Bevor Duet eine Nachricht verschickt, eine Zahlung auslöst, ein Dokument unterschreibt oder eine Datei löscht, muss der Nutzer zustimmen; Wertpapiergeschäfte und Überweisungen zwischen Konten darf der Agent grundsätzlich nicht ausführen. Anthropic selbst nennt das Produkt eine frühe Version. Duet kann Nachrichten falsch einordnen, die Dringlichkeit falsch einschätzen, und bei privaten Aufgaben wie einer Reiseplanung oder einem Friseurtermin hapert es noch, räumt Anthropic selbst ein.
Die Konkurrenz kam dieses Jahr schneller. Metas Muse lief bereits für private Nutzer, OpenAIs Dots liefen seit September als dauerhafte Agenten mit eigenem Cloud-Rechner, und Chinas Manus bietet mit Cue sogar eine eigene E-Mail-Adresse und ein eigenes Wallet pro Agent. Duets Unterschied ist der Zuschnitt auf kontrollierte, berufliche Workflows statt auf den Alltag. Dan Shipper von Every, der das Produkt vorab testen durfte, beschreibt nach eigener Erfahrung ein gemischtes Bild gegenüber seinem bisherigen OpenAI-Agenten Dot: besser organisiert und zuverlässiger beim Nachhalten offener Punkte, schwächer bei E-Mail-Entwürfen und ohne echten Sprachmodus.
Verfügbar ist Duet vorerst nur als Warteliste für Pro- und Max-Abonnenten in den USA, über Web, iOS- und Android-App. Ein Starttermin für Europa steht nicht fest. Für einen EU-Start wären bei einem Agenten mit Zugriff auf E-Mails, Rechnungen und Personaldaten nach der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) unter anderem Zweckbindung, Datenminimierung und Drittlandtransfers zu klären, darauf weist heise.de hin. Das passt zu einer Linie, die schon in #025 auffiel: Mythos 5.1, Anthropics Modell für kontrollierte Sicherheitstests, war nur für US-Organisationen zugänglich, und die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA bekam nach drei Monaten Verzögerung lediglich die ältere Version Mythos 5 (#023). Jetzt bekommt auch der erste wirklich eigenständig agierende Alltagsassistent zuerst nur amerikanische Kunden.
Ein Gegenargument: Ein Research Preview mit Warteliste ist der übliche erste Schritt bei einem neuen, riskanten Produkt, nicht automatisch ein Ausschluss, und unabhängige Sicherheitsanalysen zu Duet selbst liegen noch nicht vor. Auch die Konkurrenz begrenzt den Zugang nach Region und Tarif: OpenAI schließt Dots im Pro-Tarif für den EWR, die Schweiz und Großbritannien aus. Das relativiert den Vorwurf an Anthropic, nicht aber den Befund: Bei Agenten, die die eigene Inbox lesen dürfen, steht Europa vorerst hinten an.
80,7 Milliarden Dollar Verlust, 693 Millionen davon aus dem Betrieb
Am Montag, dem 26. Oktober, hat Anthropic sein S-1-Formular öffentlich bei der SEC eingereicht, das Registrierungsdokument für den Börsengang. Berichte hatten die Veröffentlichung frühestens für Freitag in Aussicht gestellt. Gehandelt werden soll die Class-A-Aktie unter dem Kürzel ANT an der Nasdaq Global Select Market, begleitet von 22 Banken unter Führung von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Zahl der Aktien und Preisspanne stehen im Formular noch nicht; der Markt erwartet eine Bewertung zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar, von Anthropic selbst unbestätigt.
Die Schlagzeile aus dem Dokument lautet: 16,3 Milliarden Dollar Umsatz in den ersten sechs Monaten 2026, hochgeschnellt von 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum, bei einem Verlust von 80,7 Milliarden Dollar. Die zweite Zahl braucht eine Erklärung, die das Formular gleich mitliefert: 72,4 Milliarden Dollar davon sind ein nicht zahlungswirksamer Buchhaltungsposten, eine Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Finanzinstrumenten zum Marktwert. Der operative Verlust, also das Ergebnis vor Finanzierungs- und anderen nicht operativen Posten, liegt bei 693 Millionen Dollar: real, aber eine andere Größenordnung als die Schlagzeile.
Fünf Mitgründer verkaufen im Rahmen des Angebots eigene Aktien, wofür das Unternehmen selbst kein Geld bekommt; wie viel daneben an frischen Aktien ausgegeben wird, legt das Formular noch nicht fest. Berichten zufolge wird mit einem Listing zwischen den Zwischenwahlen am 3. November und Thanksgiving gerechnet, ein Datum nennt Anthropic nicht.
Noch bevor überhaupt ein Filing öffentlich war, hatte das Unternehmen bereits vorgelegt. Am 18. Oktober kündigte Anthropic einen „Public Benefit Fund“ an, einen neuen Fonds für gemeinwohlorientierte Zwecke: Zunächst sollen fünf Prozent der Anteile hineinfließen, vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre; je 50 Prozent Wertsteigerung kann das Board zwei weitere Prozentpunkte zuteilen. Zusammen mit früheren Zusagen von Mitgründern und Beschäftigten wäre damit rund ein Fünftel der Anteile gemeinwohlorientierten Zwecken gewidmet. Als Verwendungszweck nennt Anthropic ausdrücklich die Verdrängung am Arbeitsmarkt durch KI, wofür schon 200 Millionen Dollar zugesagt sind. Noch am selben Sonntag empfahl Elon Musk auf X, die Anteile direkt an die Öffentlichkeit zu geben, und legte am Montag nach: Jedes amerikanische Kind solle ab nächstem Jahr eine SpaceX-Aktie bekommen, „das erste von vielen“. Bei geschätzt 73 Millionen Kindern in den USA wäre das zum damaligen Aktienkurs rechnerisch rund 10,7 Milliarden Dollar, ohne dass Musk sagt, wie es finanziert werden soll.
Wie eng Anthropics Finanzierung mit den eigenen Zulieferern verflochten ist, zeigt derselbe Zeitraum. Laut Financial Times soll Broadcom ein Kreditpaket über 60 Milliarden Dollar arrangieren; allein die geplante, vorrangig gesicherte 42-Milliarden-Dollar-Tranche deckte gut ein Drittel des 125,2-Milliarden-Dollar-Leasingvertrags für Googles TPU-Chips (Tensor Processing Units) ab. Von der nachrangigen 18-Milliarden-Dollar-Tranche sollen Blackstone-Fonds neun Milliarden selbst übernehmen und den Rest bei weiteren Investoren platzieren, mit einem angebotenen Kupon von zehn Prozent und einer Gesamtrendite darüber, deutlich über den rund 7 Prozent, die vergleichbare Anleihen am Markt kosten. Anthropics eigenes Formular nennt Broadcoms Doppelrolle selbst einen möglichen Interessenkonflikt: Der Konzern ist zugleich Lieferant und Leasinggeber. OpenAI wiederum verhandelt laut Reuters über eine eigene Finanzierungsrunde von rund 30 Milliarden Dollar bei einer angestrebten Bewertung von mehr als 1,4 Billionen Dollar und will die Zusagen möglichst vor Anthropics Listing sichern.
Die nüchterne Lesart: Ein Verlust, der zu neun Zehnteln aus der Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Instrumenten besteht, ist keine erfundene Zahl, sagt für sich genommen aber wenig über das laufende Geschäft. Rund um das Filing haben sich zwei andere schon positioniert: Musk mit seinem Aktienversprechen, OpenAI mit einer Finanzierungsrunde, die vor Anthropics Listing stehen soll. Was weiterhin fehlt, ist eine Bewertung, die das Unternehmen selbst nennt, nicht nur der Markt.
Claude Code: Die Highlights der Woche
Für alle, die Claude Code täglich nutzen
- Code Review bekommt feste Prüftiefen: v2.1.304 und v2.1.307 (19. und 21. Oktober) führen die Stufen Quick, Standard und Deep ein, dazu
@claude review stop, das ein laufendes Auto-Review-Abo beendet, statt weitere automatische Durchläufe zu starten. - Das Monitor-Tool läuft jetzt überall: v2.1.310 bringt das beobachtende „Monitor“-Werkzeug samt Plugin-Monitoren auch auf Bedrock, Vertex und Foundry, nicht mehr nur direkt über die Anthropic-API.
Für Sicherheits- und Plattform-Teams
- Bypass Mode lehnt gefährliche Löschbefehle jetzt sofort ab (Desktop-App und VS Code): Gefährliche
rm- undrmdir-Befehle, die im automatischen Freigabemodus bisher eine Sicherheitsrückfrage auslösten, lehnt v2.1.309 dort sofort ab, mit einem Hinweis, wie sich der Befehl umschreiben lässt. Ein Nachzieher zur Sandbox-Härtung, die diese Woche auch bei einem Wettbewerber zuschlägt (siehe Agentic Coding). - Ein riskantes Sandbox-Opt-in bekommt eine eigene Warnung:
sandbox.allowNestedUserNamespaces(v2.1.305) erlaubt auf Linux verschachtelte Nutzer-Namensräume im Sandbox-Modus, von Anthropics eigener Dokumentation ausdrücklich als Umgehung der eigenen Sandbox-Grenzen beschrieben. Wer das Flag setzt, tauscht Isolation gegen Kompatibilität.
Agentic Coding
- GitHub Copilots „Global Default Policy“ wird diese Woche wirksam. Seit dem 22. Oktober folgen berechtigte, nicht konfigurierte GA-Features, inklusive Code Review und MCP-Server-Richtlinien, der im Enterprise-Konto gewählten Default-Policy (aktiviert, deaktiviert oder den einzelnen Organisationen überlassen) statt wie bisher deaktiviert zu bleiben. Wer diese Policy nie bewusst gesetzt hat, bekommt je nach hinterlegtem Standard unter Umständen Features und MCP-Zugriff, den niemand aktiv angefragt hat.
- OpenAI Codex CLI 0.164.0 (23. Oktober) bringt wiederverwendbare Prompt-Vorlagen, Enterprise-MCP-Authentifizierung und einen standardmäßig aktivierten AWS-Bedrock-Einrichtungsassistenten.
- Google Antigravity CLI v1.4.6 (23. Oktober) blockiert den Terminal-Sandbox-Zugriff auf Docker-, Kubernetes- und netrc-Zugangsdaten jetzt per Voreinstellung, der zweite Anbieter binnen einer Woche, der eigene Sandbox-Grenzen verschärft, nach Claude Codes
rm/rmdir-Hardening oben. - Amazon, Yelp, Delta Air Lines, JPMorgan Chase und Charles Schwab blockieren aktiv fremde Verbraucher-Agenten. Amazon sperrt seit dem 20. September Metas Einkaufsagenten Muse, nachdem Meta eine Rückzugsbitte abgelehnt hatte: Der Agent habe nicht offengelegt, was er tut, und sich beim Browsen nicht als KI zu erkennen gegeben. Yelp verlangt eine kostenpflichtige Datenlizenz, Delta hat schlicht keine Vereinbarung, und die Banken JPMorgan Chase und Charles Schwab lassen grundsätzlich keinen Agenten an Kundenkonten heran, aus Sorge um weitergegebene Zugangsdaten. Meta kontert, wer den Agenten abweise, weise den Kunden dahinter gleich mit ab, und verweist auf funktionierende Integrationen bei Walmart, Best Buy, Gap, Sephora und Wayfair. Nutzer berichten inzwischen von ähnlichen Blockaden bei eBay, Zillow, Pizza Hut und mehreren Fluggesellschaften; ein Erklärungsversuch verweist auf eine seit 15. September geänderte Crawler-Standardeinstellung, die bestehende, aus Sicherheitsgründen gegen KI-Bots abgeschottete Websites mit Werbung zusätzlich gegen KI-Agenten sperrt.
Was die Modelle können
- Opus 5.5 zeigt in den ersten beiden Messfenstern keine erkennbare Verschlechterung. Der unabhängige Tracker LiveNerf testet täglich 78 Benchmark-Fragen aus GPQA Diamond, MMLU-Pro und Wettbewerbsmathematik gegen eine Kontrollgruppe mit dem Vorgängermodell. In den ersten beiden regulären Zehn-Tage-Fenstern seit dem Opus-5.5-Start erkannte die vorab festgelegte Entscheidungsregel keine Abweichung von der Basislinie; die ursprünglich auf 30 Tage angelegte Serie läuft bis Tag 45 weiter. Kleinere Änderungen kann das Verfahren übersehen: Die Nachweisgrenze liegt bei etwa 6,6 Prozentpunkten, und einen getesteten Modellwechsel erkannte es nicht sicher. Ein ergänzender Befund zur seit #025 diskutierten Denkarbeits-Frage, keine Entwarnung.
- Ein Agent, der zwischen Nachdenken und Werkzeugnutzung wechselt, statt beides zu trennen. Ein Team von Stanford, UIUC, Together AI und Meta um Jiaru Zou und James Zou zeigt in einem Preprint, dass ein Agent, der innerhalb einer einzigen Generation zwischen stillem, latentem Nachdenken und textbasierter Werkzeugnutzung wechseln kann, über elf Benchmarks hinweg rund 10,4 Prozent besser abschneidet als vergleichbare Agenten-Systeme, bei 35 bis 55 Prozent weniger Tokens und bis zu 3,7-fach niedrigeren Kosten. Die Zahlen stammen aus den Tests der Autoren, mit Together AI und Meta sind auch Anbieter beteiligt; der Code ist offen gelegt.
- Claude kartiert Angriffsflächen in 25 Open-Source-Projekten, teilweise unabhängig bestätigt. Anthropics Frontier Red Team ließ Claude über mehr als 5 Millionen Zeilen Code hinweg 493 Probleme finden, darunter 162 problematische Konfigurationskombinationen. Die OpenSSH-Maintainer griffen einen der Funde tatsächlich auf und reduzierten in Version 10.6 die vor der Authentifizierung erreichbare Angriffsfläche. Nur Anbieter-Beleg bei den Gesamtzahlen, aber mit echter Teil-Validierung durch den tatsächlichen Patch.
Sicherheitslage
- Ein Hacker nutzte KI-Agenten, um für geschätzt rund 50 Dollar pro Treffer in über 100 Firmenwebsites einzubrechen. Reuters hat die Kampagne über die Cybersicherheitsfirma NorForge (leitender Threat-Researcher Snorre Fagerland) rekonstruiert: Ein chinesischsprachiger Hacker setzte auf der offenen Plattform Cairn mutmaßlich eine Mischung aus DeepSeek und Claude Code ein, um automatisiert mehr als 1.200 Websites anzugreifen, mit Treffern unter anderem bei John Deere, SharkNinja und Cummins. Geschätzte Kosten: rund 5.000 Dollar in Tokens für über 100 erfolgreiche Einbrüche. Reuters identifizierte die betroffenen Firmen unabhängig über die Aktivitätsspuren des Hackers auf Cairn; wie viele Daten dabei abgeflossen sind, bleibt offen.
- Ein gekapertes PyPI-Release stahl gezielt Tokens von Coding-Agenten. Am 21. Oktober war das Python-Paket LiteLLM 1.107.0 über gestohlene GitHub-Zugangsdaten dreier Entwickler kompromittiert, auf PyPI rund eine Stunde und 45 Minuten lang, bei den Docker-Images rund zweieinhalb Stunden. Regulär startende Python-Prozesse in einer infizierten Umgebung luden unbemerkt einen Credential-Stealer, auch ohne LiteLLM zu importieren. Er griff unter anderem Zugangsdaten für Claude Code, Cursor, Copilot, Codex und Hugging Face ab, dazu Cloud- und CI/CD-Zugangsdaten, und hinterließ eine Backdoor, die stündlich Code nachlud. Wer die betroffene Version oder die zugehörigen Docker-Images im Zeitfenster installiert hat, sollte die Umgebung bereinigen oder neu aufsetzen und die Zugangsdaten danach von einem sauberen System aus ersetzen.
Zahlen rund um den Flaschenhals
Vor einer Woche nannte Addy Osmani die Prüfung bereits den eigentlichen Flaschenhals der Agentic-Coding-Arbeit. Diese Woche kommen Zahlen zu Ausgaben, PR-Aufkommen und nachträglich gefundenen Fehlern hinzu, aus einer journalistischen Erhebung und einer Selbstauswertung von Trail of Bits, und beide zeigen, dass weder die Ausgaben noch die Ergebnisse gleichmäßig verteilt sind.
Gergely Orosz hat für den Pragmatic Engineer Engineering-Verantwortliche und Senior-Entwickler an 27 Unternehmen befragt und zusätzlich aggregierte Plattformdaten von CodeRabbit (20.000 Entwickler über ein Jahr) und dem Code-Review-Dienst Gitar ausgewertet. Die monatlichen KI-Ausgaben pro Entwickler schwanken stark, unabhängig von der Firmengröße: Eine Quant-Trading-Firma mit rund 2.000 Entwicklern gibt im Schnitt 1.600 Dollar aus, hochgeschnellt von rund 80 Dollar im Januar; ein 25.000-Mitarbeiter-Konzern kommt im Schnitt auf 1.000 Dollar; außerhalb von Big Tech liegt der höchste genannte Betrag bei der zweiköpfigen europäischen Agentur Ix Technologies mit rund 3.000 Dollar, während ein börsennotiertes Unternehmen mit 1.500 Ingenieuren ein Budgetlimit von 150 Dollar nennt. Bei fast allen Firmen erreichten die Ausgaben im Juni und Juli ihren Höhepunkt und sinken seither.
Was dafür zurückkommt, variiert ebenso stark: CodeRabbit meldet rund 113 Prozent mehr Pull Requests pro Woche, in der festen 20.000er-Kohorte separat 128 Prozent, bei Ix Technologies um das Fünf- bis Zehnfache, bei mehreren befragten Firmen überhaupt nicht. Eine belastbare Kosten-Nutzen-Rechnung kann laut Orosz kaum eines der befragten Unternehmen vorlegen.
Trail of Bits liefert dazu eine systematische Auswertung von Regressionen in den eigenen Agenten-Patches. Von mehr als 130 eigenen, von Agenten vorbereiteten und von den Maintainern fremder Open-Source-Projekte zusammengeführten Pull Requests fanden die Sicherheitsforscher 21 bestätigte Regressionen, davon 16 funktionale Fehler, eine bei der Performance und vier bei Build oder Tests. Keine davon hebelte eine Sicherheitsmaßnahme aus. Ihr neues, quelloffenes Werkzeug regression-hunt lieferte im vorläufigen eigenen Test rund 25 Prozent weniger Fehlalarme als ein einfacher, auf Regressionen angesetzter Codex-Prompt (Konfidenzintervall 14 bis 38 Prozent), bestätigte dafür aber manche echten Regressionen nicht sicher.
Die Gegenrechnung: Beide Stichproben sind klein gegen die Grundgesamtheit aller Agenten-Nutzung, und Trail of Bits hat die eigenen Beiträge zu fremden Open-Source-Projekten mit dem eigenen Werkzeug geprüft. 16 funktionale Fehler unter 130 zusammengeführten Änderungen ist keine Katastrophe für ein Sicherheitsteam, das gezielt danach sucht, nicht für den durchschnittlichen Review-Alltag. Und sinkende Ausgaben seit Juli lesen sich ebenso gut als reifende Nutzung, bei der Teams lernen, wofür sich ein Agent lohnt, wie als nachlassende Euphorie.
Was fehlt, ist eine Zahl für das, was die Prüfung selbst kostet. Orosz erhebt, was Firmen für Agenten ausgeben; Trail of Bits zählt, wie oft die eigenen Agenten-Patches etwas kaputt machten. Wie viel die Stunden der Menschen wert sind, die diese 16 funktionalen Fehler vor dem Merge gefunden haben müssten, und nicht erst danach, nennt bislang keine der beiden Untersuchungen.
Tipp der Woche
Ein Agent schreibt den Plan, ein Agent eines anderen Anbieters zerlegt ihn. Laura Entis beschreibt bei Every (22. Oktober) einen Workflow von Every-Entwickler Loren Stewart: Ein Coding-Agent entwirft für eine bestehende App einen priorisierten, in PR-große Häppchen aufgeteilten Fix-Plan als Markdown-Dokument. Ein Agent eines anderen Anbieters bekommt diesen Plan vorgelegt und kritisiert ihn schriftlich. Erst danach überarbeitet der erste Agent den Plan, bevor überhaupt Code entsteht. Every-Mitarbeiterin Arielle Shipper, die viele interne Tools mit Codex baut, ohne selbst Entwicklerin zu sein, hat daraus einen wiederverwendbaren Team-Skill namens /loren gemacht.
Warum das hier steht: Ein zweiter Anbieter als Kritiker kann Schwächen im Plan sichtbar machen, die der erste Agent an seinem eigenen Entwurf übersieht, und zwar bevor die Umsetzung beginnt, solange eine Korrektur noch keinen Code anfasst.
Kurz notiert
- Anthropic übergibt den „Agent Skills“-Standard an die Agentic AI Foundation unter der Linux Foundation, nach MCP die zweite eigene Spende an eine neutrale Multi-Anbieter-Stiftung. Über 70 Plattformen nutzen Agent Skills bereits, darunter ChatGPT, Cursor, GitHub Copilot und VS Code.
- Der Bund verfolgt den geplanten Rahmenvertrag mit Mistral und SAP für die Bundesverwaltung vorerst nicht weiter. Laut Politico gibt es derzeit „keine Beschaffungsvorhaben“ bei Mistral; SAP betont, die Partnerschaft bestehe unverändert fort. Ein direkter Zusammenhang mit dem in #028 berichteten teilweisen Abschied Ecosias von Mistral ist nicht belegt, beide Fälle laufen aber zeitlich parallel.
- Anthropic lizenziert die Technologie des Confidential-Computing-Startups Opaque Systems und holt CEO Aaron Fulkerson sowie Teile des Teams an Bord, ein sogenannter Acquihire, bei dem es um die Leute geht, nicht um den Kauf der Firma. Opaque war zuletzt mit 300 Millionen Dollar bewertet.
- Mehr Kapital als im Vorjahr und ein Einhorn-Rekord für deutsche Startups: rund 8 Milliarden Euro Wagniskapital bis Ende September, mehr als im gesamten Vorjahr, bei 39 Einhörnern. 53 Prozent der befragten Startups sehen KI im Kern ihres Produkts; deutsche Defense-Tech-Firmen sammelten in neun Monaten rund 3 Milliarden Euro ein, fast dreimal so viel wie 2025 insgesamt.
Quellen
Die große Nachricht der Woche: Anthropic: Claude Duet · Anthropic: Claude Duet, Safety, Privacy and Security · OpenAI Help: Getting started with your Dot · MacRumors: Anthropic Launches Claude Duet · heise.de: Jetzt auch von Anthropic, proaktiver KI-Agent für den Arbeitsalltag · Every.to: Vibe Check, Duet
80,7 Milliarden Dollar Verlust, 693 Millionen davon aus dem Betrieb: SEC EDGAR: Anthropic, PBC Form S-1 · Anthropic: Public Benefit Fund · Reuters via MarketScreener: OpenAI seeks to accelerate fundraising ahead of Anthropic IPO · KuCoin: Anthropic files S-1 for IPO under ANT ticker · KuCoin: Anthropic files IPO S-1, founders to sell shares · tech-insider.org: Anthropic files S-1, $16.3bn revenue, $80.7bn loss · Al Jazeera: Anthropic says it will commit 5% of shares to public benefit fund · Fox Business: Elon Musk pledges SpaceX shares to American children · aiweekly.co: Anthropic offers Blackstone 10%+ yield in $9B chip-debt deal · PYMNTS: OpenAI racing to raise $30B round
Claude Code: Claude Code Changelog · GitHub Releases: v2.1.304 · v2.1.305 · v2.1.307 · v2.1.309 · v2.1.310
Agentic Coding: GitHub: Default Enablement of Copilot Features · OpenAI Codex Changelog · OpenAI Codex Release 0.164.0 · Google Antigravity CLI Releases · TechCrunch: The next hurdle for AI agents, getting websites to let them in · aiweekly.co: Amazon, Yelp, Delta join banks blocking third-party AI agents
Was die Modelle können: LiveNerf Opus-5.5-Tracker · arXiv:2610.18861, Hybrid Reasoning Agents · Anthropic: Using Claude to reduce the attack surface of code
Sicherheitslage: Honolulu Star-Advertiser (Reuters): How one hacker used AI agents to breach 100+ sites · WDSM (Reuters): How one hacker used AI agents and a few thousand dollars to break into scores of sites · SafeDep: LiteLLM PyPI Compromise
Zahlen rund um den Flaschenhals: Pragmatic Engineer: What’s the ROI of software engineers’ spending on AI? · Trail of Bits: Your AI agent fixed the bug, but what else did it change?
Tipp der Woche: Every (Laura Entis): Keeping Up With AI Is a Full-time Job
Kurz notiert: Anthropic: Donating Agent Skills to the Agentic AI Foundation · channelpartner.de: Mistral bekommt Gegenwind aus Berlin · Constellation Research: Anthropic licenses, releases Opaque in acquihire · it-daily.net: Deutscher Startup Monitor 2026 · t3n: Defense-Tech-VC
Das war Agentic Weekly #029.
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Alle Ausgaben · Redaktion: Martin Gross